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Dienstag, 19. Dezember 2017

Schmerz. Nichts als Schmerz und dröhnende Leere.
Mein Magen gummelt, er tut schon fast weh vor Hunger, aber ich würde keinen Bissen herunterbekommen. Ich komme kaum aus dem Bett.
Die Dinge fühlen sich so unantastbar, so weit weg an. So statisch. Es fühlt sich an, als könnte ich nichts greifen, wenn ich meine Hand ausstrecke. Alles ist so weit entfernt.
Realisation schneidet tiefer, als es eine Klinge je tun könnte.
Ich weiß nicht, wann das letzte Mal war, wo ich mich so fühlte. Ich weiß nicht, ob es überhaupt jemals ein letztes Mal gab, was das angeht. Es fühlt sich so frisch an, als wäre es das erste Mal.
Es ist nicht direkt Trauer, was ich fühle. Eher das Gefühl eines drückenden Unbefriedigtseins. Ein einnehmendes Gefühl von Sinnlosigkeit.
Ich fühle mich, als würde ich in einem traurigen Film gefangen sein, ohne auch nur jegliche Möglichkeit zu haben, auszubrechen. Als wären mir Ketten angelegt worden, schwere Ketten aus Blei, die mir die Möglichkeit nehmen, mich zu bewegen, mich auszubreiten. Als würden sie mir die Luft abschneiden.
Die Suche nach eines "Sinns" ist vergebens, darum geht es mir auch nicht.
Ich glaube nur, etwas erkannt zu haben. Als wären sinnbildlich alle Stränge jener Verbundenheit zu Allem gekappt worden, ohne Rücksicht auf irgendwas zu nehmen.
Als würde ich verzweifelt versuchen, diese zurückzuholen, diese wieder vollkommen zu machen, was aber absolut unmöglich ist.
Alles, von dem ich glaubte, dass es greifbar ist, fühlt sich so schwammig an. Wie ein bruchfester Brocken Granit, der erst bröckelt, seine Stoffeigenschaft langsam ändert, sich die Krümel nun verflüssigen und schmelzen und sich langsam aber sicher in Luft auflösen.
Ich würde sogar soweit gehen und es als unfair betiteln, dass ich all diese Gefühle erleben muss. Keinem Wesen dieser Welt würde ich soetwas aufbürden wollen. Nicht einmal meinem schlimmsten Feind. So ein Gefühl von kompletter Isolation, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Leere hat kein Geschöpf dieser Erde verdient. Es ist abartig, soetwas zu fühlen. Eigentlich ist es sogar utopisch, zu versuchen, diesem Ganzen einen Namen zu geben. Es ist ein bisschen von allen erdenkbaren negativen Gefühlszuständen, gemischt mit einer tiefgehenden Leere.
Das qualvollste ist der Gedanke, dass das nie ein Ende finden wird. Dass mich soetwas bis ans Ende meiner Tage begleitet. Selbst das komplette Unterbinden dieses Gefühls ist nicht realisierbar, da es immer wieder zu einem gewissen Teil durchsickert.

Ich wusste nicht, dass dieser negative psychische Zustand so schlimm werden kann, dass er sogar den Kreislauf beeinflusst. Ich konnte gestern kaum laufen, ohne den permanenten Gedanken zu haben, dass mir gleich schwarz vor Augen wird und ich umkippe. Ich muss hier an der Stelle anmerken, dass ich einen nahezu perfekten Kreislauf habe, da er eigentlich konstant stabil ist und ich auch noch nicht einmal in meinem Leben einen Schwächeanfall hatte, wenn es nicht grade mit meiner Essstörung zutun hatte.


Es beruhigt mich, dass ich durch diesen Blog immer eine Rückzugsmöglichkeit habe, die ich nutzen kann, wenn es am schlimmsten ist. Dass ich mich nicht verstellen muss, dass ich einfach sein kann, wer ich bin, meinen Gedanken freien Lauf lassen kann.