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Sonntag, 9. April 2017

Ich hab's mir anders überlegt.

Ich meinte ja, dass das eine längere Story wird und ich keine Lust hätte, diese jetzt zu schreiben. Ich habe meine Meinung geändert. Ich bin nämlich gerade schon wieder einmal niedergeschlagen, wegen ihm. Wisst ihr, ich bin mittlerweile sogar der festen Überzeugung, dass er eine bipolare Störung hat.
Wir streiten viel. Sehr viel. Heute Mittag zB und grade wieder. Er reitet nämlich immer auf den Dingen herum, die ich gesagt habe. Wir redeten am ersten Abend nämlich ein wenig über alles. Wir kannten uns erst 11 Tage, bevor wir uns zum ersten Mal sahen und überromantisierten und das Ganze glaube ich ein wenig zu extrem.
Ich kann nicht über meine Gefühle sprechen. Ich habe eine extreme Blockade. Ich lache, obwohl ich nicht lachen will. Eine Affektstörung. Zwar bin ich meine Depressionen soweit losgeworden, aber diese Affektstörung ist geblieben. Ich bin nicht in der Lage ernsthaft über die wichtigen Dinge, die in meinem Kopf vorgehen, zu reden. In zwischenmenschlichen Beziehungen bin ich ohnehin ein unglaublicher Noob.
Wenn ich etwas sagen Wichtiges sagen will, denke ich erst 100 Mal darüber nach, ob ich es aussprechen kann und in den meisten Fällen kann ich das nicht. Und wenn ich es doch kann, drücke ich mich falsch aus, und/oder meine Affektstörung scheißt rein.
Noch dazu bin ich Allgemein ein sehr kühler Mensch, der im Grunde keine Gefühle zulässt. Ich habe nach sehr kurzer Zeit das Interesse an einer Person verloren und mache fast nur die Dinge, die einfach, die bequem sind. Ich habe noch nie wirklich um eine Person gekämpft und ließ die Dinge einfach geschehen. Ich habe mich nie wirklich darum gekümmert, wie sich meine Mitmenschen mit meinen Handlungen gefühlt haben. Ich habe mich selten um etwas bemüht.

Das Problem. Er.
Ich habe mich in ihn verliebt. Scheinbar wirklich.

Als wir am ersten Abend bei ihm waren, und geredet haben, über uns, über das Ganze, meinte ich zu ihm, er würde anders als auf Bildern aussehen. Dass ich es nicht so cool fand, dass er mich im Schlabberlook am Bahnhof abgeholt hat.
Er nimmt mir das Ganze, meine ganze Ausdrucksweise bis jetzt übel, weshalb wir auch im Augenblick streiten. Das, genau das ist der Grund, weshalb ich es HASSE, über meine Gefühle und Gedanken zu reden. Ich kann es einfach nicht und werde grundsätzlich immer missverstanden.
Ja, zugegebenermaßen war ich anfangs skeptisch. Ganz allgemein, weil ich ihn mir anders vorgestellt habe. Was nicht heißt, dass er in der Realität schlechter war, nein, er war einfach nur real. Ich weiß nicht, ob man das jetzt richtig versteht, aber es ist einfach nur so, dass meine Vorstellung realitätsfern war.
Ich kann nur nicht nachvollziehen, wie er denken kann, dass er mir nicht genug sei. In diesen dreieinhalb Tagen habe ich mich schließlich wirklich in ihn verliebt. Ich spürte dieses Gefühl von Aufgeregtheit und Nervosität nicht bei ihm, deshalb bin ich sogar zeitweise davon ausgegangen, ich hätte keine wirklich aufrichtigen Gefühle für ihn.
Aber das komplette Gegenteil war der Fall. Ich habe ihn berührt, wie noch niemanden zuvor. Unglaublich zärtlich und sanft, als wäre er ein zerbrechliches Kunstwerk, mit dem ich aber in einer seltsamen Art und Weise eine Verbindung habe, als wäre es dieses eine Meisterwerk, welches einen großen Teil meiner Selbst ausmacht, obwohl ich nicht mal wusste, dass es existiert, aber jetzt, wo es da ist, man merkt, das ein beachtlicher Teil gefehlt hat. Ich habe in seine Augen geschaut, als wären es die kostbarsten Diamanten dieser Welt. Ich sah ihn mit den Augen von einem Menschen an, der gerade das wundervollste seiner Welt zu Gesicht bekommen hat. Bei ihm spürte ich diese Aufregung und dieses Kribbeln nicht, was man spürt, wenn man jemanden unglaublich toll findet, sondern bei ihm fühle ich mich andes. Vertraut. So, dass mir warm um mein Herz wurde, wenn er mich von sich aus umarmt hat oder meine Hand genommen hat. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als all die, die ich bisher kannte.
Am letzten Tag sprachen wir darüber, wie alles weitergehen soll und wir entschieden uns dafür, nichts zu überstürzen.
Ich fuhr nun also nach Hause. Ich fragte mich erst, ob ich ihn vermissen würde.
Ich stieg in den Zug ein. Erstmal nichts. Ich realisierte alles von diesen vier Tagen erst viel später im Zug. Das Gefühl, dass ein beachtlicher Teil fehlt, schlich sich langsam ein. Ich war niedergeschlagen, fühlte mich leer.
Als ich zu Hause ankam schließ ich realtiv zügig ein, ohne großartig zu versuchen, über alles nachzudenken.
Ich dachte, es bliebe bei diesem Gefühl.
Am nächsten Morgen fuhr ich ganz gewöhnlich zur Arbeit, fühlte mich ebenfalls wieder unglaublich melancholisch und leer. Ich war der festen Überzeugung, dass sich das wider legen würde, wenn ich arbeite. Allerdings hatte ich falsch gedacht. Im Umkleideraum angekommen überrollten mich meine Gefühle. Ich fing schlagartig an, zu weinen, und ich habe so geweint, als hätten sich meine Tränen die letzten Monate aufgestaut. Ich vermisste ihn so stark, dass es mir ein Loch in die Brust schlug. Fünf Minuten waren vergangen, ich hatte es eilig, zog mich um, ging mit komplett geröteten Augen an die Arbeit. Ich hatte das Gefühl, jeden Moment erneut in Tränen ausbrechen zu müssen und verbrachte dann auch meine halbe Stunde Spause auf der Toilette und heulte mir die Seele aus dem Leib vor Schmerz. Ich freute mich ganz und gar nicht mehr auf zu Hause, auf mein Bett, weil ich realisierte, dass er sich für mich nach zu Hause angefühlt hat. Ich wollte nach Hause. Zu meinem zu Hause. Zu ihm.

Und oh Gott, alles, was ich mache, interpretiert er negativ, alles bringt ihn in letzter Zeit zur Weißglut und er ist in letzter Zeit so oft bereit, einfach direkt alles hinzuschmeißen. Dadurch hatte ich auch meinen ersten Nevenzusammenbruch seit 4 Jahren. Ich wusste nicht mehr wohin mit mir und meinen Gefühlen, ich war komplett am Ende.
Und nun wieder. Ich hätte noch wirklich wichtige Sachen zu erledigen, bin aber nicht in der Lage, diese zu machen, einfach weil ich mich schon wieder so fühle, wie ich mich fühle. Unerfüllt, leer.

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